Sieg in Barcelona

 

Sieg beim Ironman Barcelona in Rekordzeit

Gelungene Premiere auf der Langdistanz und Qualifikation für Hawaii 2019

Nach meiner Rennabsage in Frankfurt standen schnell zwei Dinge für mich fest:

Erstens wollte ich so schnell wie möglich die Achillessehnenentzündung auskurieren und zweitens mein Langdistanzdebüt nachholen. Mit viel Geduld und guter Therapie ist es mir innerhalb von 8 Wochen gelungen, wieder ins geregelte Training einzusteigen und in Zell am See und Rügen sogar Wettkampfluft zu schnuppern. Ich stellte mir die Frage, auf welches der späten IM Rennen ich Lust habe. Eigentlich kamen nur Italien und Barcelona in Frage.

Der Zeitpunkt von Barcelona hat letztendlich dann zum Entschluss geführt und die Tatsache, das ich in Spanien bislang immer gute Rennen hatte. Außerdem begann diese Saison mit einem Sieg auf spanischen Boden beim IM 70.3 Marbella und so war es schön das letzte Rennen der Saison auch wieder dort zu beenden. 

Im Vorfeld hatte ich viele schlechte Dinge über das Rennen gehört, primär ging es dabei um Drafting und so machte ich mich auf alles gefasst. Als starke Radfahrerin war ich mir jedoch auch der Tatsache bewusst, das es ein sehr frustrierendes Erlebnis werden könnte.

Die letzten zwei Wochen vor dem Rennen verbrachte ich gemeinsam mit Philipp und Nino in Girona. Die Stadt bot alles was sich das Triathletenherz wünscht und so hat es sich trotz des intensiven Trainings mehr nach Urlaub als nach unmittelbarer Wettkampfvorbereitung angefühlt. Vielleicht war es aber auch die perfekte Mischung aus An- und Entspannung, die mich in eine tolle Ausgangslage für meine erste Langdistanz gebracht hat.

Drei Tage vor dem Rennen sind wir nach Calla gefahren, die kurze Anreise war genial und am Meer angekommen fühlte ich mich direkt wohl. An den letzten Tagen vor einem Wettkampf passiert nicht mehr viel.

Einen kleinen Einblick in mein Treiben bekommt ihr in meinem YouTube Pre Race Video. Es war eine tolle Erfahrung Sportspinner René Domke dabei zu haben, der mein Abenteuer erste LD begleitet und in bewegten Bildern festgehalten hat. Ein Projekt, das wir auf jeden Fall fortführen werden.

In den letzten Tagen vor dem Rennen und selbst am Rennmorgen, durchlebte ich ein Wechselbad der Gefühle.

Es war alles dabei: Vorfreude, Sorge, Angst, Nervosität, Aufregung und einfach ein unglaubliches Kribbeln. Ich wollte einfach das es endlich los geht. Schließlich war mein Kopf für diesen Moment schon im Juli vor Frankfurt mehr als bereit!

Und dann kam er endlich, der Startschuss zu meinem ersten Ironman!

Peng und es ging los!

Das Schwimmen sollte für mich an diesem Tag die größte Herausforderung werden. Starker Wellengang erschwerte die Sicht und das Schwimmen sehr. Bojen bekam ich kaum zur Sicht und ich hatte nach ein paar Minuten bereitsein großer Übelkeit zu kämpfen. Insgesamt kam es so eher einem Überlebenskampf als einem richtigen Schwimmen gleich. Meine größte Sorge war, ob mein Magen sich wieder beruhigen und Verpflegung aufnehmen könnte. Nach knapp 55 min hatte ich dann endlich wieder festen Boden unter den Füßen!

Konzentriert ging es durch die Wechselzone und dann saß ich auch schon auf Scotty.

Nach zwei „Bäuerchen“ ging es dem Magen dann auch zum Glück schon wieder besser und ich fuhr erstmal sehr defensiv los.

Mein Plan fürs Radfahren war, mir die erste der zwei Runden, erstmal in Ruhe „ anzuschauen“, mich zu sortieren und nach 90Km mit einem Grinsen an Philipp vorbeizufahren. Das mit der Geduld und Ruhe habe ich auch wirklich erstaunlich gut hinbekommen. Es regnete leicht und es war recht windig zudem war die Radstrecke anfangs um mich herum recht voll und ich musste einige nervige Überholmanöver machen, die meinen Rhythmus unterbrachen. Aber ich fühlte mich konstant wohl und konnte eine gute Geschwindigkeit fahren. Sowohl Yvonne van Vlerken als auch Eva Wutti, an diesem Tag meine Hauptkonkurrentinnen, waren anfangs noch dabei.

Die Strecke wurde im Vergleich zum Vorjahr leicht verändert und hatte nun etwas mehr Höhenmeter. Ich freute mich über diese Änderung, auch wenn die Radzeiten dadurch etwas langsamer ausfielen. Zeiten waren an diesem Tag sowieso nicht mein Ziel, sondern ich wollte erstmal ankommen und auch die zweite Radrunde gut überleben. Die Renntaktik sah vor, das Radfahren nach Möglichkeit progressiv zu gestalten.

Ab Km 120 begann ich leicht aufs Tempo zu drücken und fühlte mich konstant gut und durfte mich so sogar über einen Vorsprung in T2 freuen und als erste Frau vom Radsteigen. Im Vorfeld hatte ich Sorge, das ich auf dem Rad großen Hunger leiden oder in ein mentales Tief fallen könnte. Beides ist nicht eingetroffen. Das Notfallbrötchen im Fressbalken blieb unangetastet und die Pampe versorgte mich bestens. Ich war auch überrascht, wie schnell die 180 Km vorbeigingen und wie gut es mir gelang 100%ig fokussiert zu bleiben. Da ich vorher noch nie 180 Km am Stück gefahren war, war ich tatsächlich auch etwas stolz und nervös zu gleich über so viel Neues. Die Radstrecke war mit 182Km sogar eher zulange als zu kurz und so freute ich mich über meine Zeit von 4:42 h natürlich sehr.

Auf den Abstieg vom Rad war ich sehr gespannt: wie werden sich die Beine anfühlen? Kann ich überhaupt noch laufen?

Nach einem schnellen Wechsel war ich dann auch schon auf der Laufstrecke und wie fühlte es sich an? Sehr gut, erstaunlich gut sogar. Ich hatte fast das Gefühl, das ich selten so gute Beine hatte.

Im Kopf schwirrte mir aber auch konstant der Pacing Plan von Philipp herum..Geduld Geduld…bremsen bremsen..und nicht zu schnell loslaufen! Ich zog mir das erste Mal eine Uhr um und versuchte einen guten Rhythmus zu finden. Die ersten Km waren deutlich unter 3:50/Km, zuerst dachte ich, das die Uhr spinnt, denn es fühlte sich sehr langsam an. Nach dem die Uhr aber auch nach ein paar Km diese Pace anzeigte, begann ich es zu glauben und trat erstmal auf die Bremse.

Warum? Weil ich vorher nur zwei Mal 30 Km gelaufen war und schon zu viele Athleten im der zweiten Hälfte des Marathons platzen gesehen habe. Also ging es etwas langsamer weiter, aber doch noch flott genug, das ich ein paar Männer einsammeln konnte.

Ich war so aufgeregt die 30 Km Marke zu erreichen, denn danach begann das große Unbekannte. Ich malte mir alles mögliche aus. Das große Platzen, der Mann mit dem Hammer, oder aber auch, das es einfach weiter so gut läuft. Ich konzentrierte mich auf meine Technik, nahm brav meine Pampe und hatte richtig Freude.

Auf welcher Zeit ich unterwegs war wusste ich nicht. Diese Information drang erst kurz vorm Ziel zu mir durch. Ich war total geflasht und konnte es nicht glauben.

Wie sollte ich das geschafft haben? Nach 8:34:57 blieb die Uhr für mich stehen.

Der Zieleinlauf war in mehrerlei Hinsicht etwas ganz besonderes, zum einen war es die Erlösung von der muskulären Müdigkeit, die sich dann doch so ab Km 35 eingestellt hatte, dann war es die pure Vorfreude, von Paul Kaye „You are an Ironman“ zu hören.

Die Wörter, auf die ich seit Juli sehnsüchtig hintrainiert habe. Und am Ende war es natürlich das atemberaubende Gefühl, meine erste Langdistanz gewonnen zu haben und somit die vorzeitige Hawaiiquali für 2019 in der Tasche zu haben.

Im Ziel brauchte ich dann aber doch auch erstmal etwas Zeit um alles zu realisieren:

  • schnellstes Debüt auf der Ironmandistanz aller Zeiten
  • neuer deutscher Rekord auf der Langstrecke
  • neuer Streckenrekord
  • siebtschnellste Langdistanz Zeit aller Zeiten
  • Vorzeitige Qualifikation für Hawaii 2019
  • mit 2:52 den schnellsten Marathons der letzten Jahre gelaufen

Der Ironman Barcelona war ein tolles Erlebnis und ein schönes erstes Rennen auf der Langdistanz. Die Strecken waren eher zu lang als zu kurz, aber sehr gut zu fahren und zu laufen und ich habe zwar einige unschöne Draftigszenen gesehen, aber das war auch schon bei anderen Rennen der Fall.

Ich bin stolz auf Philipp und mich, das wir nach der Verletzungszeit noch eine solch gute Performance aus mir herausholen konnten. Die Langdistanz scheint mir gut zu liegen und die wichtigste Erkenntnis für mich aus diesem Rennen ist, das es mir Freude gemacht hat und das ich es wieder tun möchte!

Das nächste Mal dann, vielleicht mit weniger bremsen und mehr Gas geben!

Nun ist erstmal Pause und dann ein langsamer Aufbau angesagt.

Ich halte Euch auf dem Laufenden und wünsche Euch allen eine schöne und erholsame Offseason!

Eure Laura

Mein Debüt in 8:34:57

Auf meinem YouTube Kanal habe ich gemeinsam mit Sportspinner ein Video von meiner Langdistanzpremiere erstellt. Für mich ist das Video jedesmal wieder Gänsehaut pur!  

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